Zeitzeugin Blumenthal Lasan zu Gast in der IGS:FF

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Marion Blumenthal Lazan kam als Kind ins Konzentrationslager Bergen-Belsen. Sie überlebte. Später beschrieb sie ihren Leidensweg und die Geschichte ihrer Familie in einem Buch. „Vier kleine Kiesel“ heißt die Erzählung.
Die Familie von Marion Blumenthal Lazan lebte früher in Hoya. Geboren wurde die heute 82-Jährige in Bremen. Ihr Vater Walter Blumenthal betrieb ein Schuhgeschäft in Hoya, darüber lebte seine Familie, wozu neben Marion Blumenthal Lazan ihr zwei Jahre älterer Bruder Albert und ihre Mutter Ruth zählten. „Das Leben für Juden wurde schwieriger“, erinnert sich Blumenthal Lazan an die Zeit im Jahr 1935. Am 15. September hatte Adolf Hitler, dessen Namen die 82-Jährige nie nennt, die Nürnberger Gesetze erlassen. Die Nationalsozialisten legalisierten den Antisemitismus nicht nur, sie hätten ihn auch gezielt gefördert.
Marion Blumenthal Lazan war neun Jahre alt, als sie mit ihrem Bruder und ihren Eltern nach Bergen-Belsen deportiert wurde. In dem Lager sammelte sie jeden Tag vier möglichst gleiche Kieselsteine, als Symbol dafür, dass die Familie überlebt und zusammenbleibt. Zum Alltag im Lager gehörte das ständige Absuchen nach Läusen ebenso, wie das „Spielen“ mit den Toten, wie sie stockend berichtete. Als Kind habe sie die Hoffnung nicht aufgegeben, irgendwann die drei B´s wieder zu besitzen: ein Bett, genügend Brot und ein Bad.
Kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs musste die Familie mit etwa 2.500 anderen Häftlingen in einen Zug steigen. 13 Tage waren sie zusammengepfercht unterwegs. Am 23. April 1945 wurde der Zug von der Roten Armee im brandenburgischen Tröbitz befreit.
Eindrucksvoll berichtete die agile Zeitzeugin von ihren Erfahrungen den Schülern des neunten und zehnten Jahrgangs. Sie habe sich dieses Berichten zur bisweilen schmerzhaften Aufgabe gemacht, da ihr bewusst sei, dass sie eine der wenigen noch lebenden Zeugen dieser Verbrechen sei. Sie forderte die Schüler auf, das Gehörte ihren Kindern und Kindeskindern weiter zu erzählen, damit es nicht in Vergessenheit gerate. Auf die Frage einer Schülerin, ob sie sich vorstellen könne, dass ein solches mörderisches Unrecht noch mal passieren könne, zögerte sie nachdenklich. Dann verwies sie auf die vielen Konflikte – von Ruanda bis Syrien – in denen Mächtige immer noch unmenschliche Verbrechen gegenüber Unschuldigen – auch an den Kindern- begehen. Ihre Botschaft an die Schüler: „Seid tolerant und freundlich zu jedermann! Erkennt den Menschen in den anderen, unabhängig von seiner Religion, Herkunft oder Hautfarbe.“ Das höre sich so einfach an, sei aber die wichtigste Erkenntnis aus ihrem teilweise leidvollen Leben.
Im Anschluss suchte Frau Blumenthal Lazan das direkte Gespräch mit den Schülern, was diese dankbar annahmen und auch gern Selfies mit der lebendig-freundlichen Frau als Erinnerungen machten. Etwas, was alle sichtlich genossen haben.

JS